Chronik

“Das wundervolle Gestern ist das gewöhnliche Heute in der Erinnerung von morgen.“David Letterman

Im Februar 2012 ist unser junger Verein 20 Jahre alt geworden und erfreut sich einem lebendigen und aktiven Vereinsleben. Dieses fußt nicht zuletzt auf dem jahrzehnte­­langen Engagement unserer Verant­wort­lichen im Vorstand, sowie dem aller anderen Mitglieder – sowohl auf, als auch neben dem Sportplatz. Nach bereits über zwei Jahrzehnten hat nun Jürgen Springer im Zuge der vergangenen 20-Jahr-Feier für uns zurück­geblickt. Er erzählt über die Anfänge und Erfolgsjahre des alten FC Gohfeld auf seinem Weg in die Oberliga und dem folgenden bitteren Ende in der Insolvenz. Über den Tatendrang junger Gohfelder, mit dem Willen den Fussball in ihrer Heimat zu erhalten. Über die ersten Erfolge und den Wachstum des neuen Vereins. Und über den Start in eine aussichts­reiche Zukunft mit einer starken Jugendarbeit und dem Ziel sich sehr bald im Herforder Oberhaus zurückzumelden, auf dass der Ball am Mittelbach noch viele Jahre rollen wird.

Die Wurzeln

Einweihung des neuen Werre-Stadions. (Februar 1956)

Einweihung des neuen Werre-Stadions. (Februar 1956)

„Bäume dürfen nicht ausgerissen werden, nur um zu sehen, ob die Wurzeln noch dran sind“Henry Kissinger

Seit seiner Gründung im Jahr 1954 gab es für den FC Gohfeld eigentlich nur eine Richtung – nach oben. Den Gipfel erreichte der Vorgänger­verein in der Saison 1982/83 mit dem Aufstieg in die Oberliga, der damaligen höchsten Amateurklasse. Hier verweilte man 2 Spielrunden. (Ich kann mich noch gut erinnern. In die Saison 1984/85, damals noch mit namhaften Vereinen wie Preußen Münster, FC Paderborn oder dem SC Herford, starteten wir am 1. Spieltag mit einem 4:0 Heimsieg gegen den FC Gütersloh. Die Saison beendeten wir mit 7:61 Punkten und 31:115 Gegentoren als Tabellenletzter.)

Der neue Oberligist FC Gohfeld jubelt. Der Aufstieg ist soeben geschafft. (Sommer 1983)

Der neue Oberligist FC Gohfeld jubelt. Der Aufstieg ist soeben geschafft. (Sommer 1983)

Gern erinnern wir uns an spannende Meisterschafts- und Pokalspiele mit Spielern wie Wolfgang Kneib (Saison 1982/83), Klaus Wunder, Wolfgang Flüshöh, Karl-Hermann Eickhoff und viele, viele andere tolle Spieler, z.B. „Icke“ Fuhrberg. Die Liste wäre unendlich. Aber auch die vielen Jahre zuvor schnürten namhafte Akteure (Entschuldigung dafür, dass diese hier namentlich nicht erwähnt werden können), die heute noch zu den Spielen des neuen FC erscheinen oder aktiv oder passiv bei den Altherren am Werk sind, für den FC Gohfeld die Fußballschuhe. Denn auch der FC Gohfeld musste erst einmal, die unteren Klassen – und diese Schritt für Schritt nach oben – durchlaufen.

Unter Trainer Wolfgang Klocke gelang der Reserve der Aufstieg in die Kreisliga A. (Sommer 1983)

Unter Trainer Wolfgang Klocke gelang der Reserve der Aufstieg in die Kreisliga A. (Sommer 1983)

Die 2. Mannschaft stieg in der Saison 1982/83 in die – von uns heute so heiß begehrte – Kreisliga A auf und im Jugendbereich konnten mit dem Aufstieg der A- und C-Junioren in die Bezirksliga große Erfolge gefeiert werden. (6 der 14 Gründungsmitglieder unseres FC Löhne-Gohfeld e.V. entstammten der damaligen in die Bezirksliga aufgestiegenen A-Junioren-Mannschaft und spielten seit ihrem 6. Lebensjahr gemeinsam im FC Gohfeld.)

Ab der Saison 1985/86 ging es dann für den FC Gohfeld, wenngleich auf hohem Niveau in der Landesliga, bergab. Als 1991 weder ein Vorstand noch eine für die Landesliga spielfähige 1. Mannschaft zur Verfügung stand, und dem Verein vor allen Dingen Verbindlichkeiten in Höhe von 120.000 DM drückten, stand nicht nur der vom Amtsgericht eingesetzte Notvorstand vor der Entscheidung: Weitermachen oder Neuanfang? Welcher potentielle neue Vorstand hätte sich das antun wollen? Anfang 1992 meldete der Verein Konkurs an – und ca. 300 Mitglieder schwebten in der Luft.

Der Konkursrichter entscheidet

Erneut nahm der doch so erfolgreiche FC Gohfeld eine eher unrühmliche Vorreiterrolle ein. (Meines Wissens handelte es sich um den 1. Konkurs eines Fußball­vereins überhaupt, damals auf jeden Fall im FLVW.) Heutzutage ist dies keine Seltenheit mehr.

Nach nur 38 Jahren war das Ende des FC Gohfeld e.V. eingeleitet.

Der Neuanfang

„Misserfolg ist eine Gelegenheit, mit neuen Ansichten noch einmal anzufangen“Henry Ford

Neuer Klub in Gohfeld

Sollte es mit dem Fußballsport am Mittelbach weitergehen, musste schnell gehandelt werden. Schließlich hatte der Verein viele gute Jugendspieler, eine gute Infrastruktur und von je her gute Kontakte zur Stadt Löhne – nur 3 Dinge nicht: Eine Landesliga-Mannschaft, einen Vorstand und Geld, dafür aber – für uns damals utopisch, vielleicht aber auch, weil wir noch sehr jung waren – hohe Schulden. Bei einem Treffen – der Ort wird hier nicht genannt – wurden von den späteren Gründungs­mitgliedern alle Für und Wider in die Waagschale geschmissen. Die Entscheidung stand. Der alte Verein musste zügigst eine Mitgliederzahl kleiner 30 erreichen, um als solcher beim Amtsgericht gelöscht werden zu können, damit der Nachfolgeverein FC Löhne-Gohfeld e.V. zeitnah und bereits in der Saison 1992/93 agieren konnte.

Die Gründung

„Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist“Henry Ford

Am 18.01.1992 war es soweit. Im legendären Partykeller von Uwe „Katsche“ Müller trafen sich – in Mennighüffen – die 14 Gründungs­mitglieder Jürgen Springer, Helmut Struckmann, Horst Prüßmeier, Uwe Müller, Dirk Müller, Dirk Korsmeier, Harald Horstmann (leider schon verstorben), Thomas Sielaff, Andreas Sander, Hermann Müller, Herbert Struck, Uwe Sturm, Rainer Haubrock und Uwe Prohaska zur konstituierenden Gründungs­versammlung. Vertreten war die gesamte Bandbreite. Alt und Jung (der Jüngste, Dirk Müller, war 21, die meisten von uns 28 Jahre alt), Fußballer, Leute mit administrativer Veranlagung und solche mit Charisma, die jeder Verein braucht, wie Herrmann Müller.

Wer hätte das gedacht? Böse Zungen mögen behaupten, er, der Einzige zum damaligen Zeitpunkt Nicht-Gohfelder, war dafür verantwortlich, dass wir heute den Namen Löhne in unserem Vereins­wappen tragen. Rainer „Lui“ Haubrock, von Geburt an mit TuRa Löhne fest verwurzelt, ist Gründungs­mitglied des FC Gohfeld. Die Löhner Fußballlandschaft wird es ihm danken und geschuldet ist es eher seiner familiären Verbindung nach Gohfeld hin.

Nein, Er war nicht schuld! Löhne-Gohfeld, weil „wir auch Löhne sind“ und weil man sich nicht beim Amtsgericht, der Altverein befand sich ja auch noch im Konkursverfahren, zweimal den gleichen Namen geben kann.

Und Herbert Struck war auch dabei – „Katsche’s“ Schwiegervater. Von je her fußballbegeistert, wird er mit seiner damaligen Unterschrift auf das Gründungs­protokoll in die Löhner Fußball­geschichte eingehen. (… wie es damals – und heute noch – üblich war, floss danach leckeres Herforder.)

Die Formalitäten

„Mit der Schwerkraft sind wir fertig geworden, nicht aber mit dem Papierkrieg“Wernher von Braun

… anschließend waren anstrengend aber nicht ungewohnt. Helmut „Strucki“ Struckmann mit seiner energischen Art hat unsere Anliegen bei der Stadt Löhne und beim Amtsgericht ebenso erfolgreich durchgeboxt wie Harald Horstmann, der in seiner unnachahmlichen Art, „unsere“ Sportanlage vor jeglichen „Angriffen“ – leider auch spielenden Kindern – verteidigte. Gemeinnützigkeit (e.V.), Verband (FLVW), Kreis Herford, Versicherungen waren mein Ding und schließlich mussten noch ca. 300 Mitglieder umgeswitcht – Abmeldung alt und Anmeldung neu – werden.

Was uns trotz einer spiel­starken Mannschaft (bereits in der Saison 1992/93 erfolgte der Aufstieg in die Kreisliga B) nicht gelang, war der von uns begehrte Verbleib in der Kreisliga A. Begründet wurde dies damit, dass es sich um die Gründung eines neuen Vereins gehandelt hat.

Übrigens, um 2 Fragen einmal grundsätzlich zu beantworten: Vereins­wappen und -farben sind nicht zufällig.

Aber auch damals, ohne bereits schon hinter den Fußball getreten zu haben, waren dies schöne, schnelle Erfolge.

Der 1. Vorstand

„Oft merkt man erst viel später, dass man nicht von der selben Sache gesprochen hat“Andre Gide

Erste Vorstellung des Vorstands des neuen FC Löhne-Gohfeld. (März 1992)

Erste Vorstellung des Vorstands des neuen FC Löhne-Gohfeld. (März 1992)

6 der 14 Gründungsmitglieder gehörten dann auch dem 1. Vorstand des FC Löhne-Gohfeld e.V. an. Wichtig für uns war, dass wir aufgrund der finanziellen Vorgeschichte des alten FC auf der Position des Kassierers (aus meiner Sicht die wichtigste Position im Vorstand) den Besten wollten – und bekamen. Seither nimmt der FC Löhne-Gohfeld e.V., was das Gebaren gegenüber dem Finanzamt und Solvenz betrifft, eine vorbildliche Position ein. Unser 1. Kassierer war Harald Stapf. (Uwe „Katsche“ Müller und ich haben Harald damals im Krankenhaus, wo er mit einer schweren Knieverletzung lag – und uns nicht weglaufen konnte – aufgesucht und für uns begeistert oder auch nicht – auf jeden Fall war er dabei.)

Der erste 2. Vorsitzende (der erste 1. Vorsitzende war ich) war Jens Eickmeier, der Enkel von Paul Witte, dem alten Mäzen des FC Gohfeld. Das Einstiegs­geschenk für den neuen Verein: Zwei Sätze Trikots. (Die Wintertrikots: Damals der absolute Hype für einen Verein, dessen Vereins­farben grün-weiß sind, die Trikots waren lila.)

Im Jahr 2002 habe ich nach 10-jährigem Vereinsvorsitz diesen an Waldfried Weier abgeben dürfen. Beruflich zog es meine Frau und mich nach Mainz. Abgeben dürfen, weil Waldfried ganz einfach mit seiner gewissenhaften, akribischen und zuverlässigen Art der Beste ist, was dem FC Löhne-Gohfeld – seinerzeit als extern zu uns gestoßen – passieren konnte.

Trainer und Spieler

„Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken“Lothar Matthäus

Im ersten Vereinsjahr viel erreicht - Aufstieg in die Kreisliga B. (Sommer 1993)

Im ersten Vereinsjahr viel erreicht – Mit H.-W. Kelle als Trainer gelang der Aufstieg in die Kreisliga B. (Sommer 1993)

Gleich im ersten Jahr – 1992/93 – gelang mit dem ersten Trainer Hans-Werner „Würstchen“ Kelle der Aufstieg in die Kreisliga B. Die damalige Mannschaft bestand aus vielen namhaften Gohfeldern – talentierte Spieler des damaligen FC Gohfeld, die sich leider in den höheren Klassen des Altvereins nie richtig durchsetzen konnten. („Der Fürst gilt halt nichts im eigenen Lande“) Die Konkurrenz zu Verbands- und Landesliga­zeiten war im Altverein ganz einfach zu groß. In den Jahren 1985 bis 1992 haben diese Spieler – in ihrem besten Fußballeralter – gleichwohl viele schöne Erfolge in benachbarten Vereinen feiern können, z.B. bei RW Rehme oder beim FC Oeynhausen. Aber als der neue (alte) Verein Gohfeld rief, waren alle wie selbst­verständlich wieder da!

In den folgenden Jahren hat der FCLG viel versucht, sportlich voran zu kommen. Mit Trainern, Spieler­trainern, Spielern – auch im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten mit Geld für vermeintlich bessere Spieler.

(Des sportlichen Erfolges wegen, der in den 10 Jahren meines Vorsitzes nicht eintrat, hätte ich damals gesagt, vielleicht sind wir als Vorstand noch so jung oder unerfahren. Heute weiß ich, es lag nicht am Alter. Sportlicher Erfolg in den unteren Klassen braucht, wenn man sich eine Mannschaft nicht kaufen kann, viel, viel Zeit und Talente, auf die man bauen und hoffen kann. Ich bin zuversichtlich, dass der jetzige Verein mit all den, mitunter sehr gut besetzten Jugend­mannschaften, hier den richtigen Weg geht.)

„Ein bisschen Freundschaft ist mir mehr wert als die Bewunderung der ganzen Welt“Otto von Bismarck

Auf jeden Fall (und davon bin ich heute überzeugt) haben wir – habe ich – Fehler gemacht, indem wir das ein oder andere Mal nur wegen Prinzipien („Es kann nicht sein, was nicht sein darf“) gar den Verein vor Freundschaften gestellt haben. (Einen Fehler, den ich in meinem Leben nie wieder machen werde! Das lernt man auch beim Fußball. Manchmal aber leider erst im nachhinein.) Es spricht für uns, dass wir uns alle wieder vertrauensvoll in die Augen schauen können. („Einmal Gohfelder – immer Gohfelder“. Oder wie heißt es in Mainz?)

Erfolge

„Wer zu früh Erfolg hat, fängt an, sich selbst zu kopieren“Hundertwasser

In Gohfeld spritzt der Sekt. Leider ist das A-Liga Glück nicht von Dauer. (Sommer 2006)

In Gohfeld spritzt der Sekt. (Sommer 2006) Leider soll das A-Liga Glück von nicht allzu großer Dauer sein.

In diesem Sinne ist der FC Löhne-Gohfeld e.V. nach 20 Jahren auf dem richtigen Weg. Der 1. Erfolg war ohne Frage die erfolgreiche Neugründung des FC Löhne-Gohfeld e.V., der heute 2 Senioren-, 1 Altherren­­mannschaft und von den Bambinis bis zu den A-Junioren 8 Junioren­­mannschaften eine fußballerische Heimat gibt. Insgesamt sind es fast 300 Mitglieder. Eine beachtliche Zahl für einen „Nur“ -Fußballverein.

In der Saison 2005/2006 kam es dann zum ersehnten Aufstieg in die Kreisliga A, aus der wir leider nach 2 Spielzeiten 2007/2008 wieder absteigen mussten.

Erfolge feierten die Junioren­mannschaften mit Stadtmeister­­schaften und gespielten Turnieren. Die Jugendarbeit ist gleichzeitig bis dato der größte Erfolg und die Zukunft des Vereins.

Zukunft

„Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen“

Die Zukunft des FCLG wird vom jetzigen Vorstand für die Junioren­mannschaften geschrieben. Die älteren Junioren­­mannschaften feiern schöne Erfolge. Ioan Perdei – Trainer der 1. Mannschaft mit Erfahrung im oberen Amateurbereich – ist auch als Trainer der B-Junioren sportlich versiert für die Zukunft des Vereins mit verantwortlich. Die Verantwortlichen des Vereins sind sich sicher: Gelingt es uns, unsere Junioren mit Spaß in den Senioren­bereich zu bringen, dann lässt die von uns so heiß begehrte Kreisliga A nicht mehr lange auf sich warten! Löhne: Wir kommen!

Jürgen Springer im Frühjahr 2012